Können Worte wirklich heilsam sein? Wie expressives Schreiben das Leben nach einer körperlichen Verletzung verändert
- office28424
- vor 1 Tag
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Wenn Menschen plötzlich ihre körperliche Beweglichkeit verlieren, trifft es oft nicht nur den Körper — sondern auch die Psyche. Die 2025 veröffentlichte qualitative Studie „Assessing the Psychosocial Impact of Expressive Writing on Adults With Spinal Cord Injury“ untersucht genau diesen inneren Bereich: Was passiert im Inneren, wenn Erwachsene mit Rückenmarkverletzung (SCI) an einem 10‑wöchigen, videobasierten, coach‑gestützten Schreib‑Programm teilnehmen? Und wie prägt dieser Prozess ihr Leben wirklich?
Die Studie wurde in JMIR Formative Research veröffentlicht (30. Juni 2025) und hat 24 Erwachsene (34–76 Jahre) eingeschlossen, die nach einer SCI an dem Schreibprogramm teilnahmen.
Ein sicherer Raum für emotionale Reflexion
Die Teilnehmenden trafen sich einmal pro Woche über Zoom, um über Themen zu schreiben, die tief mit ihren Erfahrungen, Gefühlen und ihrem Leben nach der Verletzung verbunden waren. Die Sitzungen wurden von zwei professionellen Schreibcoaches geleitet, die mit empfindsamen, kreativen und affirmativen Schreibimpulsen arbeiteten.
Was die Teilnehmenden betonten, war neben dem Schreiben selbst auch die Unterstützung und Sicherheit des Raums. Durch das vorangegangene Schreiben konnten sie dann offen über schwierige Emotionen, Verlust, Enttäuschung und Herausforderungen sprechen, ohne Scham oder Urteil. Die Coaches sorgten für eine Atmosphäre, in der auch schmerzliche Themen zugelassen wurden, und gaben Orientierung und Motivation.
Katalyse für emotionale Verarbeitung
Viele Teilnehmende beschrieben das Programm als therapeutische Erfahrung. Das Schreiben half ihnen:
Emotionen klarer zu benennen
Gedanken zu ordnen, die zuvor unstrukturiert oder verdrängt waren
Tiefer liegende Gefühle zu erleben, die sie vorher nicht vollständig erfasst hatten
Einige fühlten sich befreit oder enthoben von inneren Belastungen, als hätten sie ihre Gefühle „aus dem Kopf aufs Papier gebracht“. Auch wenn dieses Erlebnis nicht bei allen gleich intensiv war, berichteten viele, dass der Schreibprozess ihnen erlaubte, ihre Gedanken und Gefühle bewusster wahrzunehmen und anzunehmen.
Veränderung im inneren Erleben und Perspektivwechsel
Eine der zentralen Erkenntnisse war, dass sich mit der Zeit die Perspektive der Teilnehmenden veränderte: Sie berichteten von einer positiveren Haltung gegenüber ihrem Leben und sogar einer neuen Art, Herausforderungen zu betrachten. Die strukturierten Schreibimpulse führten dazu, dass viele:
ihre Erlebnisse reflektierten
emotionalen Ballast erkannten und losließen
neu definierten, was für sie wichtig ist im Leben trotz der Einschränkungen ihrer Verletzung
Gemeinschaft, Akzeptanz und Selbstwert
Ein unerwarteter, aber sehr starker Effekt war das Gefühl der Verbundenheit und Gemeinschaft. Obwohl die Sitzungen online stattfanden, berichteten Teilnehmer, dass sie sich weniger allein und isoliert fühlten. Der Austausch über Schreibreflexionen schuf ein Gefühl von Zusammenhalt und gegenseitigem Verstehen — besonders bedeutend für Menschen, die oft körperlich und emotional isoliert leben.
Viele Teilnehmende sprachen darüber, wie sie:
mehr Selbstmitgefühl entwickelten
sich selbst und anderen vergeben konnten
ein stärkeres Gefühl von Selbstverständnis und innerer Stärke gewannen
Was sagt die Studie wirklich?
Diese qualitative Forschung zeigt klar, dass ein 10‑wöchiges, coach‑gestütztes Expressive‑Writing‑Programm weit mehr ist als „nur Schreiben“:
✔ Es wirkt emotional unterstützend
✔ Es fördert tiefe Reflexion und Perspektivwechsel
✔ Es stärkt das Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit
✔ Es kann langfristig Selbstmitgefühl und Resilienz fördern
Die Studienautor*innen schließen daraus, dass expressive Schreibangebote – vor allem in Online‑Formaten – wertvolle psychosoziale Unterstützung für Menschen mit schweren körperlichen Verletzungen darstellen können.
Die Ergebnisse sind qualitativ, subjektiv und erfahrungsbezogen — sie zeigen, wie die Teilnehmenden den Prozess erlebt haben, nicht unbedingt messbare klinische Outcomes.
Fazit
Diese Studie beweist: Wenn Menschen mit tiefem emotionalem Gewicht Worte finden dürfen, dann entsteht Raum für Verständnis, Gemeinschaft und innere Transformation.
Ein Stift, ein sicherer Raum und ein empathischer Begleiter können mehr bewirken, als wir oft denken — selbst dort, wo Worte allein nie ausreichen sollten.
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